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Behandlung der Epilepsie

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Ziel einer Behandlung ist die Vermeidung von Anfällen in Zukunft. Ist dies nicht möglich, sollen Anfälle so weit wie möglich eingeschränkt bzw. abgeschwächt werden. Die ist notwendig, um die Folgen bzw. Risiken der Anfälle (gesundheitlicher sowie sozialer Art) zu umgehen.

  • Medikamente: Allgemein gilt: Je früher die Behandlung einsetzt, umso besser. Oft ist nach einem ersten großen Anfall die Einnahme von Medikamenten noch nicht unbedingt nötig. Eine medikamentöse Behandlung ist aber in jedem Fall bei wiederholten Anfällen oder bei bestimmten Epilepsie-Formen zu empfehlen.

    Mit Hilfe von Medikamenten, den so genannten Antiepileptika, kann die Entstehung von Anfällen verhindert bzw. deren Häufigkeit und Stärke unterdrückt werden. Die Antiepileptika unterscheiden sich bezüglich ihrer Nebenwirkungen erheblich. Man unterscheidet dabei zwei große Gruppen: ältere und neue Antiepileptika. Die neueren Antiepileptika, die erst seit wenigen Jahren zur Verfügung stehen, können die Chancen einer erfolgreichen und nebenwirkungsarmen Therapie wesentlich erhöhen.

  • Operation: Nicht jede Epilepsie kann durch Medikamente ausreichend behandelt werden. In Frage kommt dann eine mögliche operative Entfernung des so genannten Anfallherdes im Gehirn. Dies sollte frühzeitig mit einem Epilepsie-Spezialisten besprochen werden.

In welchem Fall ist eine Behandlung einer Epilepsie mit Medikamenten unbedingt notwendig?
Bei Auftreten „kleiner“ epileptischer Anfälle, wie Absencen oder komplexer fokaler Anfälle bzw. häufiger „großer“ Anfälle, d. h. mehr als zwei großer Anfälle in sechs Monaten, ist die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Epilepsie so groß, dass in jedem Fall eine Behandlung mit Medikamenten unbedingt zu empfehlen ist, um weitere Anfälle zu verhindern.

Versäumt man eine frühzeitige Behandlung einer Epilepsie mit kleinen epileptischen Anfällen, so kommen komplizierend zusätzliche große Anfälle hinzu, und die Behandlungschancen sinken. Mittlerweile ist belegt, dass die Therapiechancen einer Epilepsie umso größer sind, je früher die Behandlung beginnt.

Wann ist eine Behandlung mit welchen Medikamenten sinnvoll?
Kommt es unter einer Standardtherapie nicht zur Anfallsfreiheit oder treten nicht mehr akzeptable Nebenwirkungen auf, oder beides, stehen eine Reihe anderer Medikamente zur Verfügung. Die Auswahl des jeweiligen Medikaments wird durch die Art der zu behandelnden Anfälle und die zu erwartenden Nebenwirkungen vom Arzt ermittelt.

Wie geht man mit Medikamenten um?
Man wird sich die Farbe, die Form und die Größe der Tabletten oder Dragees einprägen, um Verwechslungen zu vermeiden. Jede neue Packung aus der Apotheke wird genau geprüft, ob keine Verwechslung vorgekommen ist.

Medikamente regelmäßig einnehmen
Die regelmäßige Einnahme der Tabletten ist am sichersten gewährleistet, wenn die Einnahme fest in den Tagesablauf eingebettet ist. Ein Tablettendöschen wird abends mit den Tabletten für den nächsten Tag gefüllt. Man nimmt die verordnete Dosis vollständig ein und kann vergessene Tabletten, die sich am nächsten Abend noch im Tablettendöschen befinden, nachträglich kurz vor dem Schlafengehen einnehmen.

Keine Änderung ohne Rücksprache mit dem Arzt
Die Einnahme der Medikamente, deren Dosierung oder die Art der Medikamente sollte niemals ohne Rücksprache mit dem Arzt verändert werden. Auf dem Anfallskalender wird die derzeitige Dosis aller eingenommenen Medikamente vermerkt.

Warum ist das plötzliche Weglassen von Medikamenten gefährlich?
Die Medikamente wirken ständig auf die krankhaft übererregbaren Nervenzellen im Gehirn, welche die Epilepsie verursachen. Diese Nervenzellen müssen ständig gebändigt werden, damit keine Anfälle entstehen.

Wird nun plötzlich durch Weglassen der Dosis oder gar aller Medikamente der Anfallsschutz aufgehoben, so reagieren die epileptischen Nervenzellen, aber auch die übrigen Nervenzellen mit einer überschießenden Erregung. Schlaflosigkeit, Unruhe, Zittern, Schweißausbruch, schneller Herzschlag und vermehrt auftretende Anfälle sind die Folge. Es kann sogar eine lebensgefährliche Serie von Anfällen, der Status epilepticus, entstehen.

Daher dürfen Medikamente niemals ohne Rücksprache mit dem Arzt weggelassen werden.

Warum setzt man vor oder während der Schwangerschaft die Medikamente nicht ganz ab?
Handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Epilepsie, so führt das Absetzen der Medikamente zu einem starken Anstieg der Anfälle und nicht selten zu einem lebensgefährlichen Status epilepticus, d. h. einer ganzen Serie von Anfällen. Es sind Fälle beschrieben, bei denen es während der Schwangerschaft zu einem für das noch ungeborene Kind tödlichen Status epilepticus gekommen ist.

Daher muss die Behandlung mit Antiepileptika auch während der Schwangerschaft fortgesetzt werden. Allerdings versuchen die Ärzte, mit möglichst nur einem Medikament in möglichst geringer Dosis Anfallsfreiheit während der Schwangerschaft zu erzielen.

Machen Medikamente gegen Epilepsie süchtig oder abhängig?
Nein. Es gibt keinen Hinweis, dass die Einnahme von Medikamenten gegen Epilepsie suchterzeugend ist oder eine psychische Abhängigkeit hervorruft.

Machen die Medikamente impotent?
Für die von einigen Kranken beklagten Beschwerden über nachlassende sexuelle Aktivität können mehrere Ursachen angeführt werden. Die Epilepsie selbst, die der Epilepsie zugrunde liegende Erkrankung des Gehirns, die Medikamente sowie die berufliche und psychische Anspannung des Kranken.

Vom Schläfenlappen ausgehende Epilepsien mit komplex-fokalen Anfällen können zu einer Abnahme der sexuellen Aktivität führen. Bei Einnahme mancher Medikamente kann es zu einer gewissen Dämpfung kommen. Die männlichen Sexualhormone werden unter der Behandlung mit einigen Medikamenten verstärkt abgebaut und sind daher weniger wirksam.

Ebenso wie in der Allgemeinbevölkerung ist jedoch für ein Nachlassen der sexuellen Aktivität die Ursache am häufigsten in Partnerkonflikten zu finden.

Was versteht man unter Vagus-Stimulation?
Versagen altbekannte wie neue Medikamente zur Behandlung fokaler Anfälle, und ist ein operative Behandlung nicht möglich oder war sie erfolglos, kann durch eine elektrische Reizung eines Hirnnerven, des so genannten Vagus-Nerven, durch ein Gerät, das einem Herzschrittmacher ähnelt, die Zahl der fokalen Anfälle um etwa die Hälfte gesenkt werden. Nachteilig ist, dass zu dieser Behandlung der Schrittmacher durch eine, allerdings kurze Operation, unter die Haut am Hals gebracht werden muss. Außerdem kann es durch Reizung des Nerven zu Heiserkeit, Husten und Halsschmerzen kommen. Immerhin gaben etwa eine Drittel der Patienten Heiserkeit und etwa jeder achte Patient Husten oder Halsschmerzen an. Schwerwiegende Komplikationen sind aber nicht zu erwarten.

Erfahrungen mit dieser Methode haben Kliniken, die auch Epilepsie-Operationen vornehmen.

Was tun, wenn die Medikamente versagen und eine Operation nicht möglich ist?
Bedauerlicherweise kann nur ein Bruchteil der Patienten, deren Anfälle mit Medikamenten nicht beherrscht werden können, erfolgreich operiert werden. Dies liegt zum einen daran, dass es mehr als einen operierbaren Anfallsursprung im Gehirn gibt, oder zum anderen der Anfallsursprung in einer Region liegt, die nicht ohne schwerwiegende Komplikationen im Rahmen einer Operation entfernt werden kann.

Kommt eine operative Entfernung von Gehirngewebe nicht in Frage, steht die Vagus-Stimulation zur Verfügung. Als Regel gilt, dass die medikamentöse Weiterbehandlung dieser Patienten mit möglichst wenigen Medikamenten in der niedrigsten anfallslindernden Tagesmenge fortgeführt wird, bis bessere Medikamente zur Verfügung stehen. Die Verringerung der Zahl der Medikamente und deren Tagesdosis werden in engmaschiger Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Arzt allmählich vorgenommen. Leider werden auch heutzutage noch viele Patienten, deren Anfälle nicht zu beherrschen sind, mit unnötig vielen Medikamenten und Medikamenten in unnötig hohen Tagesmengen behandelt. Daher sollte jeder Patient sich erkundigen, ob nicht eine Verringerung der Zahl der Medikamente oder der Tagesmenge möglich ist.

Wird die Angst vor einer Zunahme von Anfällen, die in über 80 Prozent der Fälle unbegründet ist, überwunden, kann eine langsame Verringerung der Medikamentenbelastung zu weniger Nebenwirkungen bei gleich bleibender Anfallszahl führen.